Nepal – Traurig und schön

Im Oktober 2009 flog ich mit einer Rotel Gruppe zu einer zweiwöchigen Nepal Rundreise.

Nepal hinterließ hierbei einen bleibenden Eindruck. Nette Menschen und viel Armut. Es ist in Nepal als interessierter Tourist leichter als in anderen Ländern hinter die Kulissen der grandiosen Landschaft zu schauen und die überall herrschende Armut zu sehen.

Hierbei konnte ich interessante Geschichten erleben, von denen ich zwei weiter unter kurz erzähle.

 Mount Everest

Mount Everest Massiv

Mount Everest Massiv

 

Ein Straßenjunge in Kathmandu:

Wer mich kennt weiß, dass ich nicht ständig Leute um mich herum mag und gerne einmal meine eigenen Wege gehe.

So auch in Kathmandu:
Nachdem wir bereits viele Tempel als Gruppe besichtigt hatten, brauchte ich einfach einmal eine Auszeit um alleine und auf eigene Faust Kathmandu zu entdecken. Auf vergangenen Reisen hatte ich bereits die Erfahrung gemacht, dass besondere Erlebnisse irgendwie nur dann passieren, wenn ich alleine ohne Guide oder Gruppe unterwegs bin. So auch in Kathmandu.

Vom Hotel aus ging ich nach Thamel und weiter Richtung Süden durch die Altstadt in Richtung Durbar Square in Kathmandu. Der Durbar Square ist dabei ein Platz mit vielen Tempeln und Palästen im Herzen der Altstadt. Da ich bereits einige Kilometer gelaufen war, bestieg ich den höchsten Tempel (“Freak Tempel”) um von dort aus das Treiben unter mir in aller Gemütlichkeit zu beobachten und dabei eine kalte Cola zu trinken.

Auf dem Tempel angekommen, stand irgendwann ein kleiner bettelnder Junge vor mir in dem verdrecktesten  T-Shirt das ich je gesehen hatte. Da ich bettelnden Kinder kein Geld gebe (könnte bei dem Bandenboss landen oder in Klebstoff zum schnüffeln investiert werden) verließ ich den Tempel und kaufte für 2 Euro ein T-Shirt und noch etwas zu essen für den Kleinen.

Straßenkind Kathmandu

Mit Hilfe eine anderen Nepali, der etwas englisch sprach, fragte ich den Jungen wie alt er sei und was er sich von mir wünsche. Hierdurch erfuhr ich, dass er aus einem entfernten Dorf stammte, etwas lesen und schreiben kann und bereits 12 Jahre alt war. Wohl aufgrund mangelhafter Ernährung war er mit 12 Jahren weniger als 1,40m groß. Sein größter Wunsch an mich war, dass ich ihm eine Jeans kaufe. Dies habe ich dann getan, ebenso wie noch ein paar Schule für zusammen gerade einmal 10 Euro. Ich hoffe, dass er diese Kleidung behalten konnte und ihm nicht abgenommen wurde.

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Ein zweites Erlebnis in Pokhara

Einige Tage der Rundreise verbrachten wir auch in Pokhara am Fuß des Himalajas. Da wir etwas außerhalb im Hotel wohnten, fuhren wir zum Ortsteil Lakeside direkt am Phewa See. Ein Großteil der Gruppe wollte über Hunderte von Stufen einen buddhistischen Tempel oberhalb des Sees besichtigen. Da ich am Tag zuvor bereits viele Stunden gewandert war, begeisterten mich die Treppen nicht gerade. Ich verabschiedete mich daher von der Reisegruppe und fuhr mit dem Boot über den See zurück zu dem Touristenviertel Lakeside um mir die Geschäfte anzuschauen. Da es in allen Geschäften eigentlich dasselbe gab, setze ich mich am späten Vormittag in ein kleines Treckercafe in Pokhara, um von dort aus das Treiben um mich herum zu beobachten. Schon bald setzte sich die Tochter der Bedienung zu mir an den Tisch und begann sich mit mir mit Händen und ein wenig Englisch zu unterhalten. Da ich für langweilige Notfälle meine Nintendo DS dabei hatte, holte ich diese irgendwann hervor und erklärte dieser Mario Kart und Super Mario.

In einem Trecker Cafe in Pokhara
Nach einiger Zeit hatte ich dann auch den Wirt, dessen Frau, die Bedienung und den Küchenjungen (Prem) kennengelernt und bekam auch Familienfotos der nicht anwesenden Geschwister gezeigt, während sich Semjana (die Tochter der Bedienung) mit der Nintendo DS vergnügte.

Nachdem der Küchenjunge auch neugierig wurde, kann dieser auch zum Spielen auf die Terrasse und setzte sich zu uns. Hierbei entspannte sich ein lustiger Konkurrenzkampf der beiden Kinder, wer gerade spielen durfte. Wenn Semjana spielte, nahm Prem mir einfach meine Kamera ab und machte Fotos von anderen Gästen, dem Wirt und mir. Dabei lachte dieser jeden ständig an, so dass niemand sauer reagierte, wenn er fotografiert wurde, oder Prem sich Sonnenbrillen oder Fotoapparate “auslieh”. Im Gegenteil, jeder lachte mit bei den Faxen die er machte. Auch als ein Kalb das Cafe enterte und er es zurück auf die Straße lockte.

Prem lockt Kalb aus dem Cafe

Nachmittag stieß dann die große Schwester von Semjana hinzu. Diese erklärte mir, dass Prem 15 Jahre alt ist und aus einem weit entfernten Dorf stammte. Dort ist er abgehauen. Er kann weder lesen noch schreiben. Der Wirt hatte ihn auf der Straße aufgesammelt und ihn als Hilfe eingestellt. Er wohnt nunmehr im Cafe und hilft in der Küche.

Da wir viele Fotos gemacht hatten, bot ich an, diese zu schicken und hinterließ meine Visitenkarte. Ich hoffe die Fotos kommen irgendwann an.

Was mich sehr freute ist ein E-Mail Gruß von Semjana der mich einige Wochen später erreichte. Noch toller fand ich es, das Prem als Analphabet und Hindu zu Weihnachten in ein benachbartes Reisebüro ging und mir von dem Inhaber frohe Weihnachten und ein frohes neues Jahr per Mail ausrichten ließ.

Zwischenzeitlich, 2015 hat mich Semjana auch in Facebook als Freund gefunden.

Derartige Erlebnisse lassen eine Reise noch Jahre später genießen. Ich schaue mir immer noch gerne die Fotos vergangener Reisen an und denke an die vielen kleinen Erlebnisse, von denen ich hier gerade zwei geschildert habe.

Nicht geschrieben habe ich von dem Besuch der Leichenverbrennungstätte, dem Besuch eines Kinderheimes und der harten Motorradfahrt über Nepals staubige Straßen. Auch nicht über die Späße mit Jenny aus der Reisegruppe oder den Rundflug Richtung Mount Everest. Das sind Geschichten, die erzähle ich meinen Freunden vielleicht einmal direkt.